Im Gedränge menschenvoller Straßen
schwärmen aus verschwiegne Worte
aus den Tiefen, die wir leugnen,
ohne Sprache, ohne Grund.
Der Wind, den wir nicht spüren,
spielt auf zum Tanz das andere Licht,
zu spreizen die Spiegel und ihre Bilder,
die wir nicht sehen.
Wer kennt noch die glanzvollen Wunder und Gezeiten
in den Winkeln der Regentropfen,
die wie einsame Signale an Planeten zerschellen
oder dem mehrfachen Raum dazwischen.
Ich treibe staunend mit der Flut
aus Haut und Fleisch und Knochen, den Blicken wie unseren,
die in fernen Sprachen träumen
oder schweigen, was uns eint.
Darum der Mangel an Raum
im Gedränge menschenleerer Straßen,
wie zwischen Treibholz nach Atem ringen,
nach Blicken, die uns ahnen,
zwischen all den Geistern, mit uns wandernd.
[20. März 2008]
andrethom - 24. Mrz, 19:15
Deine Augen, erwählt und vergoldet durch meinem Blick, einem Wunsch gleich folgend den Bewegungen deiner Pupillen, the hole in the sky, folgend den Schatten zurück, uns noch einmal erschaffend, im Dickicht der Spiegelungen, den Personen gegenüber hier in diesem Bett, allen Personen, die wir waren, mit Masken, Hoffnungen, Ängsten und Vergangenheiten, mit erschlaffenden Fingern und dem Gefühl des Zurückfederns, den Spielen als wir Kinder waren, als wir erwachsen wurden. Deine Augen und meine Augen, verlassend diese Dialektik von Du und Ich, überwindend die Schwerkraft unserer Sprache, hinein ins Gestrüpp der sich berührenden Spiegel, wenn auch nur für einen entflammten Moment, caught in vesuvius' shadow, Küssen gleich, ein Begegnen und Verabschieden, aber wie gesagt, losgelöst dieser Unterschiede, befreit von Kategorien, kognitiven Verarbeitungsmechanismen, Seiten, Flächen, Figuren, Ideen, der Adaption von Licht und Dunkelheit, der natürlichen Abfolge von Schlaf und Nicht-Schlaf...
[15. Januar 2008]
andrethom - 31. Jan, 17:44
mir stürzen die augen vor tränen
es schwemmen die flure ein fluss
tief wurzeln und strömen, ja, treiben
dort treiben die wände die haut
mir herzt ganz schwer
es laufen die uhren die bahnen (davon, davon)
und pumpen durch platzende kammern
die zeiger spreizen den tosenden fluss
mir flüsterts leise
mit rasenden lippen voran, voran
tief hinein ins wimmelnde, berstende wort
wo sekunden graben am grund
(2. Januar 2007, überarbeitet am 18. Januar 2008)
andrethom - 19. Jan, 18:27
Und der Tag verschlingt die schweren Träume,
Die sich in mir verzweigen gleich meinem Blut.
Wo die tosenden Wasser schwinden
Bleiben Kammern, schillernd in allen Farben und Ängsten.
Ich treffe dort die uralten Kinder,
In Trümmern hockend, spielend
Die grausamsten Szenen unserer Geburt.
Ich füttere sie mit dem Fleisch
Aller zärtlichen Berührungen, den Worten,
Die wie Regen dunkle Felder wässern.
Verschlingt deren saftige Trauben, lasst nichts aus;
Auch ich werde den Kelch an meine zerbissenen Lippen neigen,
Zu trinken die schweren Träume,
Die sich in mir verzweigen gleich meinem Blut.
(11. Dezember 2007)
andrethom - 12. Dez, 17:12
Wenn ich sage, dass du meine Sonne bist, ist damit alles gemeint, Energie und Strahlung, die sichere Entfernung, Gravitation, Eruptionen, Wärme und Leben, mein magnetischer Schutz und lange geisterhafte Peitschenhiebe. Der Raum, in dem wir kreisen, den wir krümmen.
Ich verstehe, dass man das alles als Tanz sehen kann, Rotation, Revolution, das ganze Gefüge, Bahnkreuzungen, Einschläge, die Monde, das Licht-
andrethom - 20. Nov, 17:26
"Zum Kranklachen wäre alles, wenn es nicht zum Totlachen wäre."
Ilse Aichinger
Nun habe ich etwas mehr als ein Jahr mit einer Tätigkeit verbracht, die mir erst nach und nach klar geworden ist, einer langsamen Entfernung: dem Verlernen.
Es sind glücklicherweise grundlegende Dinge gewesen, das "Fortschreiten", zum Beispiel, im Sinne von: etwas sinnvolles erreichen wollen. Karriere machen. Aufsteigen.
Ich habe gewisse Verhaltensformen verlernt, das-nicht-Allein-sein-können, sozial-konstruktive Ansichten, das Plaudern, das Argumentieren.
Ich habe es verlernt aus irgendetwas Nutzen zu ziehen.
Ich habe es verlernt von Nutzen zu sein.
Ich stoße auf Widerwillen gegen meine Abneigung allem Fortschreitens gegenüber, gegenüber den Lehrern und Arbeitern, gegenüber der Zivilisation und den Uhrenmachern, überall, sei es durch ein Zusammenziehen der Augenbrauen, agressive Argumentation oder Abschüttelung durch ein Schulterzucken.
Ich habe verlernt, etwas ernst zu nehmen. Ich übe mich darin, kein Mensch mehr zu sein, zumindest keiner dieser Menschen, denen ich überall begegne, deren Nachrichten ich lese, deren Gespräche ich teile, deren Blogs ich lese.
Aber ich bin noch nicht fertig-
andrethom - 17. Okt, 23:22
Das Laubwerk herbstfarben oben an die Bäume geschissen. Wind darüber, da hinein und wieder raus, ein hauchvoll Straßenlärm und Menschgeräusch. Kommt die Hexe und setzt sich ausgerechnet neben mich, aus allen Poren alt, das Leben aus dem Fleisch gedünstet, der Mund, diese Rosine. Dann, wow, - ihre Augen, Glitzern in Granit, ein brennender Haufen Scherben. Wolken schmieren so am Licht, nervenzerreißende Dissonanzen lautlärmend grasender Kinder. Fabelwesen im nächtlich-dunklen Dickicht hinter uns. Ein Hund scheißt seinem Herrchen auf die nagelneuen Schuhe. 90 Grad Drehung der ganzen Szene; die Alte riecht nach Bier und Kohl, ihr Lächeln entblößt eine Reihe monumentaler Zähne, Stonehenge, über und über bedeckt mit den magischen Schriftzeichen der Zeit. Mit ihren verzauberten Händen durchsucht sie meine Hosentasche, hält an meinem Schwanz kurz reibend inne, kein Geld zu finden, - ein himmlischer Sprühregen Spucke ins Gesicht und ab. Beine hoch auf die Bank. Ein Pissstrahl Sonne aus der klaffende Spalte zornbäuchiger Wolken. Mir mitten in die Augen. Mitten hinein.
Ein Stein drängt heran, frisst Himmel und Licht.
So also endet das.
andrethom - 1. Okt, 23:43
Ich spüre den Dämon
eingesperrt am Grund des Brunnens,
in den Augen Flammen reinen Zorns,
der Rest ist Abwesenheit von Licht.
Er wütet gegen die Mauern, die Erde & sein eigenes Fleisch.
In ihm ist die Vernichtung der aller ersten Zelle,
die Eroberung des Königreiches.
Am Ende wird es seine Seele sein.
Ich möchte bereit sein.
[20. September 2007]
andrethom - 26. Sep, 00:57